Im Bereich der Psychotherapie ist eine Indikationsstellung eine Aussage darüber, ob eine gegebene psychotherapeutische Behandlung bei einer bestimmten Person mit einer bestimmten psychischen oder psychosomatischen Störung helfen kann oder nicht.
Der wichtigste Indikator ist zugleich auch der scheinbar unspezifischste, da jede Form von Psychotherapie ihn als Voraussetzung nennt: die Motivation des Patienten. Es ist korrekter, von der Notwendigkeit einer ausreichenden Motivation des Patienten für eine bestimmte Form von Psychotherapie zu sprechen. Diese Motivation sollte sich auf die gruppenspezifischen Ziele richten. Neben den störungsspezifischen Zielen (Reduktion von Depression, Ängsten, etc.) hat Psychotherapie in Gruppen immer ähnliche immanente Ziele:
1. Entwicklung einer gewissen Nähe der Teilnehmer zueinander und Vertrautheit untereinander.
2. Entwicklung eines introspektiven und selbstreflexiven Umgangs mit sich selbst.
3. Entwicklung eines verstehenden Umgangs mit den anderen Gruppenteilnehmern.
4. Entwicklung von interpersonaler Aufrichtigkeit.
Vor dem Hintergrund der massiven Zunahme schwerer Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen und Störungen der Liebes- und Arbeitsfähigkeit unter den Patienten (Ich-strukturelle Störungen) sollte man sich noch einmal die spezifischen Vorteile der Gruppentherapie vor Augen führen. Gerade das Vorliegen von interpersonalen Problemen stellt einen besonderen Indikator für eine Gruppenpsychotherapie da. Dies wird in der Literatur besonders bei folgenden interpersonalen Problemen hervorgehoben:
1. Sozialem Rückzugsverhalten und unfreiwilliger Einsamkeit.
2. Schüchternheit und Gehemmtheit.
3. Unfähigkeit zu Nähe und Liebe.
4. Unangemessenem Konkurrenzverhalten.
5. Autoritätsproblemen.
6. Übertriebener Aggressivität und Streitsucht und chronisch provozierendem Verhalten.
7. Übertriebenes Misstrauen.
8. Übertriebenem Narzissmus, einschließlich der Unfähigkeit, zu teilen und sich einzufühlen oder Kritik zu akzeptieren sowie einem ständigen Bedürfnis nach Bewunderung.
9. Angst, sich durchzusetzen.
10. Unterwürfigkeit und Abhängigkeit.
11. Angst, ausgenutzt zu werden, in dem Bedürfnis, Liebe zu geben.