Spektrum: Gruppentherapie
Ein wichtiges Prinzip der Gruppentherapie besteht darin, dass jeder intensivere Reiz, dem man die Gruppe aussetzt, bei den Gruppenmitgliedern eine Vielfalt von Reaktionen auslöst. Die Untersuchung der Gründe hierfür lohnt sich gewöhnlich sehr und klärt Aspekte der Charakterstruktur. Wenn Gruppenmitglieder beobachten, wie andere auf eine Situation merklich anders reagieren als sie selbst, so ist dies ein eindrucksvolles Erlebnis, das ihnen viel Einsicht in ihr eigenes Verhalten und Erleben vermitteln kann. Eine solche Gelegenheit hat man in der Einzeltherapie nicht, sie stellt somit eine der Hauptstärken der Gruppentherapie-Methode dar.
Was hilft in einer Therapie dem Patienten? Eine auf den ersten Blick nicht immer einfach zu beantwortende Frage. Therapeutische Veränderung ist therapieschulenübergreifend beschrieben ein außerordentlich komplexer Vorgang, der durch ein verwickeltes Zusammenspiel verschiedener menschlicher Erfahrungen zustande kommt, die man auch „therapeutische Faktoren“ nennen kann.
Für die psychotherapeutische Gruppentherapie lassen sich ohne Anspruch auf Vollständigkeit folgende therapeutische Faktoren benennen:
• Einflößen von Hoffnung
• Konkretes Üben von Verhaltensänderungen
(Interpersonales Lernen, Verhaltensänderungen im sozialen Feld der Gruppe)
• Förderung von Einsicht
• Selbstöffnung, Mitteilung Scham-oder Schuld besetzter privater oder intime Einzelheiten
vor anderen Menschen
• Feedback durch die Gruppe und den Therapeuten (Interpersonales Lernen - Input)
• Entwicklung eines Verständnisses und Erfahren der Universalität des Leidens (Erlebnis
des Nichtalleinseins mit den eigenen Problemen und Schwierigkeiten)
• Konkrete Anleitungen zur Lebenshilfe, Anleitung, Ratschläge, Hilfestellungen,
Anweisungen, Hausaufgaben, etc.
• Identifikation z.B. mit Mitgliedern oder Haltungen innerhalb der Gruppe
• Rekapitulation der Primärfamilie (unbewusste Wiederholung des Erlebens oder
Reinszenierung früherer Familienstrukturen in der Gruppe)
• Innere Katharsis (emotionale Affektabfuhr durch dynamische Gruppenprozesse gefördert)
• Kohäsion (Wahrnehmen und Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls, Zusammenhalt der Gruppe, Zugehörigkeit- und Akzeptanzgefühl)
• Verständnis und Erfahren von existenziellen Faktoren wie Endlichkeit des Lebens (durch Krankheit und Tod), Isolation (Trennung, Verlust, aber auch allgemein durch Begrenzungen der menschlichen Kommunikation), Offenheit des Lebenslaufs (zunächst ohne festgelegten Sinn, Erfahrung von Sinnlosigkeit) und Freiheit („Verdammt sein zur Freiheit, d.h. wir müssen uns entscheiden“)
• Üben und Erfahren von Altruismus (anderen Hilfen geben)
Ein förderliches Klima und eine hinreichende Gruppenkohäsion werden durch eine von Aufmerksamkeit, Interesse, Neugier, Respekt und Zuwendung geprägte therapeutische Haltung des Leiters geschaffen. Von den Gruppenmitgliedern wird eine Bereitschaft zur Selbstöffnung erwartet. Dabei wird größter Wert auf die Beachtung der Regeln der Höflichkeit, der Menschlichkeit und des Sicherheitsgefühls in der Gruppe gelegt. Das Gefühl, in einer Gruppe nicht isoliert und allein zu sein, sondern dazuzugehören, wirkt kohäsionsfördernd. Ebenso wirksam sind die Erfahrung, etwas Wertvolles an Andere weitergeben zu können (Altruismus) sowie das Gefühl von Hoffnung auf Veränderung, wenn Veränderungen sich einstellen und der Gruppe mitgeteilt werden.